begleitendes Sterbefasten und die Liebe zum Leben!

Es ist kein Geheimnis mehr, dass ich mich nun auch politisch für das Leben einsetze. Am 01. April durfte ich das erste mal einen Parteitag besuchen – den ersten Bundesparteitag der V-Partei³ in Weimar. Es war für mich hoch interessant und ich nehme viel Motivation und neue tolle Eindrücke mit zurück nach Hause.

Neben der Überarbeitung des Parteiprogrammes gab es mehrere Initiativanträge zu den verschiedensten Themen. Im Großen und Ganzen finde ich das beschlossene Programm sehr gelungen – ich kann nicht hinter jedem Punkt und Komma stehen – aber zu 96,5 % des Inhaltes sage ich sehr gerne ganz laut JA. Bei allem guten Willen – das finde ich in anderen Parteiprogrammen nicht.

Mit einem Antrag zum Thema Sterbefasten, der von Barbara Rütting gestellt wurde, fühle ich mich tief verbunden. Zu diesem Antrag gab es 100 % Zustimmung (das geht nicht nur in der SPD):

Begleitendes Sterbefasten

Gestorben wird Zuhause – Ja zum begleitenden Sterbefasten!

Gerade weil wir das Leben lieben fordern wir das Recht auf ein Sterben in Würde. Sterbefasten bedeutet, freiwillig auf Nahrung und Flüssigkeit zu verzichten, um den eigenen Tod herbeizuführen. Dafür brauchen wir ein Gesetz, das den Beteiligten Schutz und Rechtssicherheit gewährt.

Ärzten und Pflegepersonal muss es erlaubt sein, Schwerstkranke und Sterbende beim Sterbefasten zu begleiten, statt den Sterbeprozess, wie das inzwischen üblich ist, durch lebensverlängernde Maßnahmen qualvoll für den Patienten, aber mit Riesengewinnen für Pharmakonzerne und Co hinauszuzögern. Für viele Menschen bedeutet die Möglichkeit des begleitenden Sterbefastens einen großen Trost.

Mit emotionalen und erklärenden Worten vertrat Barbara Rütting diesen Antrag im Plenum. Sie sprach von der schweren und langwierigen Pflege Ihrer Mutter, aber berichtete auch über das große Geschäft der Pharmaindustrie mit dem Tod. Auch von sogenannten Koma-WG’s, in denen die im Koma liegenden Menschen – die ohne Zukunft vor sich hinvegetieren – war die Rede. Das Sterben wird zu einem lukrativen Geschäft (pro Bett, pro Monat 35.000 Euro) gemacht, nur weil keine Patientenverfügung vorhanden oder „gefunden“ wurde.

Ich glaube den Worten von Frau Rütting – auch wenn es in mir alles schüttelt und ekelt. Wie sehr können wir das Leben noch pervertieren? Ist uns denn nichts mehr heilig?All das geschieht weit weg von uns, da wir das Alte, das Sterben (Altersheime, Koma-WG), das Kranke, das Behinderte, das nicht der Norm entsprechende, aber auch die tägliche Qual an unseren Mitlebewesen (Massentierhaltung, Tierversuche, Qualzuchten, Schlachtungen) ganz weit weg von uns schieben. Wir wollen das nicht in der Mitte unseres, ach so glorreichen und so tollen Lebens sehen. Mir kommt das vor wie das beliebte Kleinkinderspiel: Was ich nicht sehe, ist auch nicht da. Dieses so beliebte Spiel funktioniert auch im Erwachsenenalter. Aber hier spielen es nicht die Eltern mit ihren Kindern, sondern die Pharmaindustrie und Politik mit uns allen.

Warum verschließen wir nur unsere Augen?

Auch durch meine persönliche Geschichte musste ich mich mit dem Sterben auseinandersetzen. Was will ich, wie soll mit mir verfahren werden, wenn ich mich nicht mehr äußern kann. Barbara Rütting empfiehlt für jedes Alter eine Patientenverfügung. Dem kann ich nur zustimmen – aber trotzdem bleibt dabei immer die große Unsicherheit. Und hier fehlt mir tatsächlich das Vertrauen. Wie muss ich mich äußern, damit nun wirklich mein Wille erfüllt wird? Und nicht von mir gut gemeinte Formulierungen das Gegenteil bewirken. Ich bin mir sicher: Diese Unsicherheit ist bei vielen vorhanden. Die Angst vor der falschen Formulierung, vor dem Missverstehen. Aber auch vor weiteren verunsichernden Gerichtsurteilen, die da noch folgen werden.

Gegen diese Unsicherheit müssen wir etwas tun.

Denn eins weiß ich: im Gegensatz zu einer Alten-WG kann ich mir eine Koma-WG überhaupt nicht vorstellen. Das kann nicht und darf niemals unser Schicksal für dieses Leben sein! Wir müssen das Sterben wieder in die Mitte unserer Gesellschaft holen. In jeder Kultur ist es so, dass die Menschen am Ende ihrer Tage das Essen und Trinken einstellen. Nur in unserer Gesellschaft werden wir dazu gezwungen und Zwangsernährt. Das ist Körperverletzung – das ist die Verletzung an unserem Leib und Seele, gegen die wir uns alle wehren müssen. Wir alle müssen aufstehen!

Ich liebe das Leben. Dieser Satz ist so schlicht, aber es steckt doch so viel programmatisches in ihm. Wenn wir das wirklich ernst nehmen und diesen Satz in unserem Leben zulassen und in unserer Gesellschaft integrieren, es zulassen, dass die Liebe durch alles fließt, was uns wichtig ist, dann haben wir den einen großen Schritt getan, für den wir hier sind. Ja, für den wir bestimmt sind! Du suchst nach Deiner Bestimmung? Liebe das Leben! Und das allumfassend!

Mehr braucht es nicht! Unser gestern beschlossenes Programm (das in einem fließenden, sich immer weiter entwickelnden Prozess ist) wird von diesem einen Satz bestimmt und durchdrungen: Wir lieben das Leben!

Ich liebe das Leben! Niemand darf über den Wert des Lebens urteilen – niemand darf es entwerten und sich zu einem „Herrn“ über Leben und Tod machen. Nur so bewahren wir die Schöpfung.

Barbara Rütting, Parteitag V-Partei in Weimar 01.04.17

Weitere Infos findet Ihr hier:

http://www.sterbefasten.de/

https://v-partei.de/1-bundesparteitag-beschliesst-wahlprogramm-2017/

https://v-partei.de/barbara-ruetting-tritt-in-die-v-partei%C2%B3-ein/

https://www.facebook.com/Pangritz.VPartei/?fref=nf

v

 

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