Dicke Luft …

…. oder wie verschleiere ich das Unumgängliche? 

Oft werden uns Informationen nur Häppchenweise hingeworfen. Dann fehlt jemand, der die Häppchen aufnimmt und für uns in einen logischen Zusammenhang bringt. Das sehe ich beim Thema Wasser und Nitrat (in wenigen Tagen mehr davon) und ich sehe das auch im größten Reizthema, neben Fußball, für uns Deutsche: in unserer Autokultur.

Vor einigen Monaten habe ich eine Pressekonferenz des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Winfried Kretschmann erlebt, in der er Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Stuttgart ankündigte. Nun können Sie nicht so einfach ein Fahrverbot durchsetzen. Dieses Verbot für Dieselmotoren in Stuttgart kann nur im Zusammenspiel mit dem von der CSU geführten Bundesverkehrsministerium geschehen. Ich verstehe, dass dies zurzeit technisch für die Grünen vor Ort nicht möglich ist.

Aber warum denken sie in Stuttgart nicht weiter und stellen den öffentlichen Nahverkehr frei? Wenigstens an den Tagen mit einer hohen Feinstaubbelastung? Das wäre ein starkes Signal für Deutschland gewesen. Wenn der Verkehr die Luft meiner Stadt nun mal schädigt – und Stuttgart ist durch seine Kessellage sehr bedroht – dann muss doch auch in andere Verkehrsmittel investiert werden. Fahrradautobahnen zum Beispiel (und nicht Fahrradwege, die im Niemandsland enden – in Stuttgart leider sehr oft der Fall) und noch viel wichtiger: in den Nahverkehr investieren und diesen ausbauen. Das gilt übrigens auch für die BMW-Hauptstadt München, denn dort gibt es auch schon Überlegungen, die Stadt für Dieselfahrzeuge zu sperren. Auch weitere Großstädte überlegen ein Fahrverbot.

Nun schreit mal alle: Wer soll einen freien öffentlichen Nahverkehr bezahlen? Meine Antwort: der Staat – und damit wir alle natürlich. Der Staat ist für unsere Sicherheit und Gesundheit verantwortlich, dafür zahlen wir Steuern und wählen Politiker.

Mittelfristiges Ziel muss aber sein: In Deutschland müssen die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr aus dem Steueraufkommen (z.B. KFZ-Steuer, Autobahnmaut) investiert werden und den Bürgern der Nahverkehr frei nutzbar gemacht werden. Und das nicht nur an Tagen mit hoher Feinstaubbelastung, sondern an 365 Tagen im Jahr und in jeder Kommune!

Es wird viel Geld verplempert (ich sage nur zwei Worte: Berlin und Flughafen), aber in das höchste Gut das wir haben, in unsere eigene Gesundheit, wird leider nicht investiert. Natürlich wird tüchtig verdient – erst Autoindustrie, dann Pharmaindustrie. So gesehen ein feiner Kreislauf.

Die Automobilindustrie droht jetzt mit einem Verlust von Zehntausenden von Arbeitsplätzen in Deutschland. Ganz klar, das muss ja jetzt kommen. Dieser Automatismus, der so logisch ist (ähnlich wie in der Massentierhaltung und der Landwirtschaft).

Frau Merkel hat vor einigen Wochen gesagt, dass die Automobilindustrie in den nächsten 20 Jahren nicht mehr so aussehen wird, wie wir sie heute kennen. Und ich glaube, diese Aussage hat sie sehr bewusst platziert. Ich gehe noch weiter – die gesamte Arbeitssituation (quer durch alle Berufe) wird sich in den nächsten Jahren erheblich verändern. Das wissen die Wissenschaftler, die Industrie und die Politik schon heute. Nur wissen sie nicht, wie sie es uns verkaufen sollen. Da fehlt es am Willen zur Wahrheit und vielleicht auch an der Lust und Mut an der Umgestaltung.

Seit Jahrzehnten erwarten wir von der Autoindustrie Innovationen in Richtung Spritvermeidung und Umweltschutz. Ob nun mit Wasserstoff oder elektrisch betriebenen Motoren, das war uns erst einmal egal. Die Autos hätten leichter, Energiesparender in der Produktion und im Verbrauch werden müssen. Das Gegenteil ist der Fall, schwerer, größer, breiter …. Jahrzehnte hielt uns die heimische Autoindustrie hin, die Technik wäre noch nicht so weit, die Batterien funktionieren nicht, die Kunden wollen das nicht, und so weiter und so fort …. Den Erfolg, den Toyota mit seinen Hybridautos hat, wurde kleingeredet. Die müssen ja auch heimlich alle 2 Jahre die Batterien austauschen – so erzählte es mir ein Autohändler vor ein paar Jahren. Seltsam, dass der Hybrid nun schon in fast allen Toyotamodellen verbaut ist. Und was ist in der Zwischenzeit in der so hochgelobten, innovativen deutschen Industrie geschehen?

Und da kommt auch noch ein durchgeknallter Milliardär und sieht keine Grenzen! Mit vollem Risiko – jeden Tag Bewusst eingegangen – hat Elon Musk Erfolg und steckt die angestammte Industrie mit Ihren verstaubten langweiligen Entwicklungen, die bei jedem Modellwechsel die Form der Seitenspiegel als die tollste Innovation verkaufen – in die Tasche.

Ich kann natürlich nicht sagen, ob das Projekt Tesla funktionieren wird. Es wurde schon oft totgesagt (von wem wohl?), aber es wurden auch viele neue Entwicklungen angestoßen. Ich bin mir sicher, da geht noch was.

Und wir in Deutschland? Holen wieder die berühmte Arbeitsplatz-Keule raus und lügen die Kunden weiter an und produzieren überteuerte Autos für die Halde – nur damit die Zulassungszahlen stimmen? Diese Logik muss mir mal jemand erklären. Jedem von uns ist Bewusst, dass die Angaben des Durchschnittsverbrauches nicht stimmen können, da sie nicht in realen Bedingungen gemessen und somit niemals analog erreicht werden können.

Und trotzdem kaufen wir, und kaufen wir, und kaufen wir …

Aber wir sehen jetzt, es geht so nicht weiter. Ein weiteres großes Problem sehe ich beim Blick auf das Große und Ganze. Häppchenweise werden uns Fakten serviert, aber es fehlt derjenige (oder die Stelle), der für uns die Zusammenhänge herstellt und die Logik dabei erklärt.

Der Zusammenhang zwischen katastrophalen Luftqualitäten in unseren Städten und zum Beispiel der Volkskrankheit COPD. Ich war im Übrigen auch davon ausgegangen, dass die Lungenerkrankung COPD ausschließlich auf das Rauchen zurückzuführen ist. Da wurde ich jetzt belehrt, und bei über 200 COPD-Toten in Leverkusen pro Jahr (laut einem Lungenfacharzt) – der kausal für Ihn mit den Autobahnen (unter anderem die A3), die quer durch die Stadt führen, zusammenhängt.

Aber auch die Aussage der Autoindustrie, aus Gründen der Motorensicherheit die Abschaltung der Luftreinigung der Dieselmotoren bei 15 – 17 Grad durchzuführen, ist wirklich lächerlich und verletzt bewusst unsere Gesundheit!

Nur mal ein kleiner Hinweis: die Durchschnittstemperatur in Deutschland liegt je nach Region zwischen 12,7 und 14 Grad im Jahr.

Und was machen die Politiker? Wir sehen wieder ein Lobbygeführtes Ministerium (Verkehrsministerium) – ähnlich wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Huch, da fällt mir auf, beide von der CSU geführt. Ein Schelm, der etwas dabei denkt …..

Ich möchte noch einmal kurz auf Winfried Kretschmann zurückkehren: Heute lese ich in der Stuttgarter Zeitung ein Interview vom 7.4.2017 in dem Winfried Kretschmann selbstkritisch den Fehler einräumt:

„Ich hätte mir deutlicher vor Augen führen müssen: für normale Verbraucher ist ein Kraftfahrzeug eine riesige Anschaffung, bei der auch der Wiederverkaufswert eine relevante Größe ist.“  (Siehe Fußnote 1)

Natürlich gab es ein Riesengeschrei, wenn man dem Schwaben liebstes Kind, sein Dieselauto madig macht und auch noch seinen Zutritt in seine Hauptstadt verwehrt. Viele von Ihnen sind gutverdienend und bestellen sich regelmäßig Neuwagen. Aber was ist mit den Menschen, die nicht so gut verdienen, sich nur ein 15 Jahre altes Auto leisten können? Mir scheint, der Politik ist das egal. Die Aussage von Winfried Kretschmann bezieht sich nur auf die finanziell gut ausgestatteten Bürger, die Angst davor haben, dass sie Ihren Diesel nicht weiterverkaufen können. 

Die V-Partei³ nimmt in diesem Jahr erstmalig an der Bundestagswahl teil. In Weimar wurde ein umfangreiches Parteiprogramm (= Wahlprogramm) verabschiedet. Unter dem Punkt: VIII. Mobilität, Verkehr findet ihr die Forderungen und Lösungsansätze. Hier heißt es unter Fahrscheinloser ÖPNV, Sozialticket:

Um die Attraktivität des umweltfreundlichen Öffentlichen Personennahverkehrs zu erhöhen, unterstützen wir grundsätzlich verschiedene Ideen. So kann regional abhängig die Forderung nach einem fahrscheinlosen Personentransport unterstützungswürdig sein. Die Kosten für Ticketverkauf, Fahrscheinautomaten und Kontrolleure würden dabei entfallen. Die weitere Gegenfinanzierung kann über die Änderung des Steuerrechts („Fahrtkosten bei Werbungskosten“) erfolgen, die Kommunen bzw. Verkehrsbetriebe müssten entsprechend für ihre Kosten pauschal entschädigt werden. Pilotprojekte existieren bereits in Templin und Lübben. Auch die Einführung sogenannter Sozialtickets könnte abhängig von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten sinnvoll sein. (Fußnote 2)

Übrigens: in Göttingen soll nun auch ein Sozialticket für den öffentlichen Busverkehr (nur im Stadtbetrieb) eingeführt werden. Leider mit einer sehr engen Anforderungsliste: Harz-4-Bezieher, Wohn- oder Sozialgeld, asylsuchende Menschen. Das Sozialticket soll 25 Euro monatlich kosten und von Montag – Freitag ab 9.00 Uhr gültig sein. Also werden wieder keine Rentner (die vielleicht 3,00 Euro über dem Harz-4-Tarif liegen), Behinderte und schlecht verdienende Mitmenschen berücksichtigt. Sogar sogenannte „Aufstocker“, die in ihrem Job nicht genug verdienen können und zum Beispiel morgens um 6.00 Uhr zu ihrem Job fahren müssen, werden ausgenommen. Ach so, und Rentner und das faule Grobzeug pennt sowieso bis mittags und dann reicht der Beginn ab 9.00 Uhr. Für mich ist das im Wahljahr eine Augenwischerei der Göttinger SPD. Da ist nichts sozial, das ist asozial!

Und als letztes möchte ich noch einmal auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung aufmerksam machen: „Urlaub war uns wichtiger als eure Zukunft, sorry“: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/46223

Da ist es mir wieder klargeworden: deswegen engagiere ich mich für eine neue Politik, für eine Politik mit Empathie. Vereint, Visionen, Verändern! V-Partei³ (Fußnote 3)

Euer Huggl

Fußnote 1 = http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.interview-mit-winfried-kretschmann-die-fahrverbote-sind-noch-nicht-in-stein-gemeisselt.de747e39-17c1-4e77-a877-5d7663cd6cbc.html 

Fußnote 2 = Unter folgendem Link findet Ihr das Parteiprogramm der V-Partei³ https://v-partei.de/vparteihoch3/parteiprogramm/

Fußnote 3 V-Partei = https://v-partei.de

 

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