Was ist Würde?

„Was ist eigentlich diese Würde?“
„Was für ein Mensch möchte ich sein?“
„Wie sieht ein würdevolles Leben aus?“

Dies sind grundsätzliche, zentrale und gesellschaftliche Fragen – die jeder von uns sich irgendwann einmal stellen sollte. Nicht „Was willst Du werden“, sondern „Was willst Du sein“ und „was willst Du für Dich und Deine Umwelt bewirken?“ Diese Frage steht im Mittelpunkt unseres Lebenslehrens.

Ich bin der Meinung, dass diese Fragestellungen vom Kindergarten bis zum Studium in verschiedenen Formen behandelt werden sollten. Es geht nicht darum, eine einheitlich und genormte Antwort zu finden – wie es heute so gerne gewünscht wird, sondern durch die Fragestellung unseren inneren Würdekompass anspringen zu lassen. Unser Selbstbewusstsein auszubauen, damit wir in unserem Leben so leben, wie wir es wirklich möchten.

Wenn wir unser Inneres anschauen, dann werden wir sehen, dass ein würdevolles Leben ein Teil eines Lebenszweckes (oder „-Sinnes“) ist. Warum handeln wir aber dann oft nicht nach unserem Inneren? Warum können wir das, was da steht, nicht so einfach lesen? Wollen wir wirklich keine Selbstdenkenden, unabhängig agierende und bewusste Menschen um uns haben? Ich weiß, dass kann manchmal ziemlich anstrengend sein. Es ist einfacher vor sich hinzuleben, der Werbewirtschaft unser Dasein in die Hand zu geben, denn die wissen ganz genau, was wir brauchen! Ganz sicher! Oder die Banken und Versicherungen wissen ziemlich genau über uns Bescheid (auch wenn wir das eigentlich nicht möchten) und bieten uns genau das an, was wir zu diesem Zeitpunkt unbedingt meinen brauchen zu müssen. Wir müssen nicht mehr denken. Danke an die Bank und Versicherung meines Vertrauens. Dank an die Werbewirtschaft, die durch so viele uneigennützigen Studien uns endlich gläsern gemacht haben. 

Und die Politik? Die Politik hat große Angst vor Selbstbewussten, unabhängigen Menschen. Das ist nicht gut einschätzbar. Da kann keine gute und treue Wählerschaft erwartet werden. Und wie steht es mit unserem Werte- und Gesellschaftssystem?

Wir können Würde nicht mit materiellen Reichtum gleichsetzen. Nur weil ich „Reich an Geld und Eigentum“ bin, führe ich kein würdevolles und glückliches Leben. Aber das Ziel, diese Lebensform zu erreichen – Reichtum ohne Würde – wird uns gerne von der Gesellschaft als höchstes erstrebenswertes Ziel eingeredet. Was brauchen wir wirklich. Wenn wir die richtigen Fragen stellen, bzw. immer weiter unsere erst platten Antworten hinterfragen; dann wird nicht die Ergebnis heißen: ein tolles Haus mit riesigen Garten, das spezielle Auto mit den xxx PS, sondern das schwindende Gefühl von Glück sein. Auch wenn es nur ein kleines, kurz vorbeihaschendes Gefühl ist – wenn wir es einmal gespürt haben, werden wir danach süchtig. Aber wenn wir es erst am Ende unseres Lebens spüren, dann wird uns erst klar, was wir alles versäumt haben. Und jetzt kommt ein ganz komischer und seltsamer Gedanke: Und wenn wir unser glückloses Leben sofort beenden (hapless life suicide) und beschließen, ab sofort in Würde zu leben?

Was bedeutet Würde für Dich? Was bedeutet Glück für Dich? Wie können wir gemeinsam auf den Wege zu Deinem Glück gehen? Am Ende unsere Lebens wollen wir alle ein glückliches Leben gelebt haben. Nicht ein reiches, nicht ein „erfolgreiches“ – beruflicher, materieller Erfolg ist nur ein scheinbar gesellschaftlich wichtiger Aufstieg. Bitte glaubt mir – es zählt am Ende nichts. Am Ende bleibt nur das Gefühl von Leere – weil wir unserem persönlichen Lebensziel nicht gefolgt sind, weil das vermeintliche Glück war nur ein Glück aus der Matrix. Wie Selbstbestimmt konnten wir unser Leben führen? Oder wie Fremdbestimmt haben wir unsere Zeit verbracht?

Ein weiterer Gedanke von Prof. Hüther: wenn wir in Würde leben, dann lassen wir uns nicht von einer würdelosen Werbung verführen. Wenn Du glücklich bist, musst du nichts kaufen. Ich kann bestätigen, dass ohne materiellen Besitz, ein viel glücklicheres Leben möglich ist. Ich fühle mich heute glücklicher, als vor vielen Jahren, in denen ich mich für den Besitz (und die Sorge um diesen) scheinbar verbogen habe, ohne aber dessen bewusst zu sein. Aus heutiger Sicht war ich ein unglücklicher Mensch.

Heute leben wir am Ende des Monats oft sehr an der finanziellen Grenze – trotzdem können wir uns all das leisten, was wir wirklich brauchen. Heute lebe ich mit  starken Schmerzen und einer lästigen chronischen Erkrankung. Aber trotzdem darf ich sagen: so glücklich wie jetzt, war ich noch niemals zuvor. Ich darf endlich die Dinge machen, die ich immer schon tun wollte. Trotz einer Fremdsprachen-Legasthenie (und es fällt mir wirklich schwer), frische ich mein Schulenglisch auf, lerne zur gleichen Zeit Französisch und beschäftige mich täglich mit Philosophie und anderen geisteswissenschaftlichen Themen, die mich fordern. Ich habe mir noch viel mehr vorgenommen um mich zu bilden – ich will das „Mensch-sein-spüren“. Das ist mein Glück!

Ich weiß ganz sicher, wenn wir über das Thema Würde nachdenken, kommen wir irgendwann auf einen gemeinsamen Nenner. Dafür ist diese Facebook-Seite da – um Euch zu informieren und Eure Gedanken zu hören. Und dazu ist die Göttinger Würde-Gruppe da, um an diesem Gedanken weiter zu arbeiten und sich auszutauschen. Ihr seid herzlich willkommen, mitzumachen! Vielleicht nur für ein kurzes persönliches Glück. Daraus wird aber gesellschaftliches Glück folgen. Lasst uns darüber sprechen und lasst uns glücklich sein. Jeder auf seiner Art.

© Holger Pangritz, Pfingsten 2018


FB-Seite Würdekompass Göttingen: https://www.facebook.com/Wuerdevoll/

FB-Gruppe Würdekompass Göttingen: https://www.facebook.com/groups/1812270452409510/?ref=bookmarks

https://utopia.de/gerald-huether-hirnforscher-das-leben-besteht-nicht-darin-sich-irgendwelche-konsumbeduerfnisse-zu-erfuellen-51507/

#Würdekompass

compass-303415_1280

 

begleitendes Sterbefasten und die Liebe zum Leben!

Es ist kein Geheimnis mehr, dass ich mich nun auch politisch für das Leben einsetze. Am 01. April durfte ich das erste mal einen Parteitag besuchen – den ersten Bundesparteitag der V-Partei³ in Weimar. Es war für mich hoch interessant und ich nehme viel Motivation und neue tolle Eindrücke mit zurück nach Hause.

Neben der Überarbeitung des Parteiprogrammes gab es mehrere Initiativanträge zu den verschiedensten Themen. Im Großen und Ganzen finde ich das beschlossene Programm sehr gelungen – ich kann nicht hinter jedem Punkt und Komma stehen – aber zu 96,5 % des Inhaltes sage ich sehr gerne ganz laut JA. Bei allem guten Willen – das finde ich in anderen Parteiprogrammen nicht.

Mit einem Antrag zum Thema Sterbefasten, der von Barbara Rütting gestellt wurde, fühle ich mich tief verbunden. Zu diesem Antrag gab es 100 % Zustimmung (das geht nicht nur in der SPD):

Begleitendes Sterbefasten

Gestorben wird Zuhause – Ja zum begleitenden Sterbefasten!

Gerade weil wir das Leben lieben fordern wir das Recht auf ein Sterben in Würde. Sterbefasten bedeutet, freiwillig auf Nahrung und Flüssigkeit zu verzichten, um den eigenen Tod herbeizuführen. Dafür brauchen wir ein Gesetz, das den Beteiligten Schutz und Rechtssicherheit gewährt.

Ärzten und Pflegepersonal muss es erlaubt sein, Schwerstkranke und Sterbende beim Sterbefasten zu begleiten, statt den Sterbeprozess, wie das inzwischen üblich ist, durch lebensverlängernde Maßnahmen qualvoll für den Patienten, aber mit Riesengewinnen für Pharmakonzerne und Co hinauszuzögern. Für viele Menschen bedeutet die Möglichkeit des begleitenden Sterbefastens einen großen Trost.

Mit emotionalen und erklärenden Worten vertrat Barbara Rütting diesen Antrag im Plenum. Sie sprach von der schweren und langwierigen Pflege Ihrer Mutter, aber berichtete auch über das große Geschäft der Pharmaindustrie mit dem Tod. Auch von sogenannten Koma-WG’s, in denen die im Koma liegenden Menschen – die ohne Zukunft vor sich hinvegetieren – war die Rede. Das Sterben wird zu einem lukrativen Geschäft (pro Bett, pro Monat 35.000 Euro) gemacht, nur weil keine Patientenverfügung vorhanden oder „gefunden“ wurde.

Ich glaube den Worten von Frau Rütting – auch wenn es in mir alles schüttelt und ekelt. Wie sehr können wir das Leben noch pervertieren? Ist uns denn nichts mehr heilig?All das geschieht weit weg von uns, da wir das Alte, das Sterben (Altersheime, Koma-WG), das Kranke, das Behinderte, das nicht der Norm entsprechende, aber auch die tägliche Qual an unseren Mitlebewesen (Massentierhaltung, Tierversuche, Qualzuchten, Schlachtungen) ganz weit weg von uns schieben. Wir wollen das nicht in der Mitte unseres, ach so glorreichen und so tollen Lebens sehen. Mir kommt das vor wie das beliebte Kleinkinderspiel: Was ich nicht sehe, ist auch nicht da. Dieses so beliebte Spiel funktioniert auch im Erwachsenenalter. Aber hier spielen es nicht die Eltern mit ihren Kindern, sondern die Pharmaindustrie und Politik mit uns allen.

Warum verschließen wir nur unsere Augen?

Auch durch meine persönliche Geschichte musste ich mich mit dem Sterben auseinandersetzen. Was will ich, wie soll mit mir verfahren werden, wenn ich mich nicht mehr äußern kann. Barbara Rütting empfiehlt für jedes Alter eine Patientenverfügung. Dem kann ich nur zustimmen – aber trotzdem bleibt dabei immer die große Unsicherheit. Und hier fehlt mir tatsächlich das Vertrauen. Wie muss ich mich äußern, damit nun wirklich mein Wille erfüllt wird? Und nicht von mir gut gemeinte Formulierungen das Gegenteil bewirken. Ich bin mir sicher: Diese Unsicherheit ist bei vielen vorhanden. Die Angst vor der falschen Formulierung, vor dem Missverstehen. Aber auch vor weiteren verunsichernden Gerichtsurteilen, die da noch folgen werden.

Gegen diese Unsicherheit müssen wir etwas tun.

Denn eins weiß ich: im Gegensatz zu einer Alten-WG kann ich mir eine Koma-WG überhaupt nicht vorstellen. Das kann nicht und darf niemals unser Schicksal für dieses Leben sein! Wir müssen das Sterben wieder in die Mitte unserer Gesellschaft holen. In jeder Kultur ist es so, dass die Menschen am Ende ihrer Tage das Essen und Trinken einstellen. Nur in unserer Gesellschaft werden wir dazu gezwungen und Zwangsernährt. Das ist Körperverletzung – das ist die Verletzung an unserem Leib und Seele, gegen die wir uns alle wehren müssen. Wir alle müssen aufstehen!

Ich liebe das Leben. Dieser Satz ist so schlicht, aber es steckt doch so viel programmatisches in ihm. Wenn wir das wirklich ernst nehmen und diesen Satz in unserem Leben zulassen und in unserer Gesellschaft integrieren, es zulassen, dass die Liebe durch alles fließt, was uns wichtig ist, dann haben wir den einen großen Schritt getan, für den wir hier sind. Ja, für den wir bestimmt sind! Du suchst nach Deiner Bestimmung? Liebe das Leben! Und das allumfassend!

Mehr braucht es nicht! Unser gestern beschlossenes Programm (das in einem fließenden, sich immer weiter entwickelnden Prozess ist) wird von diesem einen Satz bestimmt und durchdrungen: Wir lieben das Leben!

Ich liebe das Leben! Niemand darf über den Wert des Lebens urteilen – niemand darf es entwerten und sich zu einem „Herrn“ über Leben und Tod machen. Nur so bewahren wir die Schöpfung.

Barbara Rütting, Parteitag V-Partei in Weimar 01.04.17

Weitere Infos findet Ihr hier:

http://www.sterbefasten.de/

https://v-partei.de/1-bundesparteitag-beschliesst-wahlprogramm-2017/

https://v-partei.de/barbara-ruetting-tritt-in-die-v-partei%C2%B3-ein/

https://www.facebook.com/Pangritz.VPartei/?fref=nf

v